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Angermund Eingemeindung 1975 Rosenstadt Die Anger Die Seen Der Wald Angermund in der Malerei Archäologie Bau- und Bodendenkmäler Satellitenbild Verkehrsanbindung Archäologie im Raum Angermund Die ältere ortsgeschichtliche Literatur vermutete, dass Franken ab Mitte des 1. Jahrtausend n. Chr. die ersten Siedler im Raum Angermund waren. Doch die in den 1990er Jahren von Thomas van Lohuizen auf Feldfluren am südlichen und westlichen Ortstrand von Angermund entdeckten steinzeitlichen Artefakte beweisen, dass sich schon gut 10.000 Jahre vorher Menschen zumindest zeitweilig im heutigen Ortsgebiet aufgehalten haben. Auf dem Areal des Lagerplatzes steinzeitlicher Jäger und Sammler aus dem Allerød-Interstadial (eine rund ein Jahrtausend dauende Warmzeit in der Spätphase der letzten Eiszeit) wurden bis heute rund 1.000 Feuersteinopjekte aufgesammelt. Dazu Thomas van Lohuizen: Die Funde stammen aus der Zeit vor 12.000 bis 10.800 Jahren. ... Gefunden wurde eine große Zahl von Sticheln. Sie dienten der spanabhebenden Bearbeitung von Knochen, Geweih und Holz. Sie sind auf dem Fundgelände weit überdurchschnittlich zahlreich und oft erstaunlich klein überliefert, ein Phänomen, dass so bislang nirgendwo in Deutschland beobachtet worden ist. Der hier bestehende Mangel an geeigneten Feuerstein kann nicht die Ursache für diese kleinen Geräte gewesen sein, denn diese Werkzeuge mussten ja trotz der kleinen Formate und ihrer Zerbrechlichkeit in ihrer Funktion bestehen können. Auf dem Fundareal wurden offenbar Arbeiten vollzogen, die auf sonstigen Fundplätzen dieser Zeitsellung nur einen sehr viel kleineren Anteil der insgesamt ausgeführten Tätitgkeiten ausgemacht hatten. Insofern gilt dieser Fundplatz wissenschaftlich als außerordentlich und weit über die Region hinaus von großer Bedeutung. Das auch, weil er der bislang einzige Fundplatz ist, der in seiner besonderen Lage rechts des Rheinlaufs, zwischen den zeitgleichen Fundplätzen in Westfalen und dem Rheinland vermittelt. Die für dieses Jahr geplante und finanziell abgesicherte facharchäologische Grabung der Universität Köln konnte aufgrund der Weigerung des neuen Pächters der Feldflur leider nicht durchgeführt werden. So bleibt dieser bedeutendste archäologische Fundort der Steinzeit auf Düsseldorfer Stadtgebiet bislang ohne die außerordentlich wichtige begleitende Ausgrabung.(1) Durch die Erwärmung kam es in Mitteleuropa zur ersten flächigen Wiederbewaldung am Ende der letzten Eiszeit. Birken- und Kiefernwälder mit Tierbeständen von Rothirsch, Elch, Auerochse, Reh, Braunbär und Bieber breiteten sich auch im Rheinland aus. Aus den Jägern und Sammler der Lössteppe wurden Jäger und Sammler des Waldes, deren Hauptjagdwaffe nicht mehr die Speerschleuder, sondern Pfeil und Bogen war. Am Niederrhein konzentriert sich die Verbreitung von Fundplätzen der spätsteinzeitlichen Jäger (sogenannte Federmessergruppen) auf die linksrheinichen Auenlandschaften im Umfeld von Niers, Rur und Erft. Das Fundareal bei Angermund gehört zu den wenigen östlich des Niederrheins gelegenen Fundstellen. Es liegt im Bereich eines schwach ausgeprägten, in Nord-Süd-Richtung verlaufenden Höhenrückens auf der älteren Niederterrasse des Rheins. Im Relief der umgebenden Landschaft lassen sich noch zahlreiche Altmäander des eiszeitlichen Rheins erkennen. Da die Einzelfunde bis 2022 nicht systematisch eingemessen wurden, konnte deren räumliche Verteilung nicht analysiert werden. Auch deshalb wurde die Oberfläche des Fundareals im Spätsommer 2023 erneut von Fachleuten und Helfern systematisch abgesucht. Die Funde in einer ca. 300 m langen Zone und die in den beiden Jahrzehnten zuvor geborgenen Fragmente von Beilklingen, Messern, Pfeilspitzen und Sticheln aus Feuerstein verweisen auf mehrere kleine Lagerplätze, die späteiszeitliche Jäger und Sammler hier anlegten. Bei der neuerlichen Abkühlung des Klimas zogen diese Jäger und Sammler in mildere Regionen weiter.(2)
Funde aus der späten Jungsteinzeit im Übergang zur frühen Bronzezeit
(etwa 3.300 bis 2.000 v. Chr.) sowie der vorrömischen Eisenzeit (800 bis 15
v. Chr.) belegen, dass sich hier erneut Menschen aufhielten, sie lassen
einen "siedlungsgeschichtlichen Aufschwung" erahnen, wie er zur gleichen
Zeit auch in den benachbarten Ortsgebieten belegt ist.(3) Ein ungewöhnlicher Fund aus der Eisenzeit
(etwa 500 bis 300 v. Chr.) ist das 1993 entdeckte Bruchstück eines Glasarmreifs: ein etwa 3 cm großer Ringkörper aus braunem Glas mit einer Auflage aus einer
goldgelben opaken Masse. Das ohne Begleitfunde geborgene Glasstück ist gut erhalten;
es weist keine Spuren einer Feuerbestattung auf, durch die eine genauere Datierung
möglich wäre. Erst 25 m vom Fundort entfernt wurde eine Bodenscherbe gefunden, die der
eisenzeitlichen Latène-Kultur
(etwa 450 v. Chr. bis zur Zeit um Christi Geburt) zugeordnet werden kann. Schon 1990 war in direkter
Nähe ein sehr anschaulicher Stößel aus grünem Felsgestein entdeckt worden.
Zusammen deuten diese drei Fundstücke auf eine keltische Siedlung hin.(4)
Das im Ortsnamen Angermund enthaltene
Grundwort munt - Schirm, Schutz, Gewalt entstammt dem
Althochdeutschen, der ältesten schriftlich überlieferten Sprachform des
Deutschen, die etwa zwischen 750 und 1050 verwendet wurde.(5) Der
Ortsname hätte demnach die Bedeutung "Schutz an der
Anger".
Topographisch betrachtet wäre die Besiedlung wegen des hohen Grundwasserstandes
und der durch die Anger und den Rahmer Bach in Regenzeiten ausgelösten
Überschwemmungen an einer erhöht liegenden Stelle zu erwarten. Vielleicht
wie die aus der letzten Eiszeit stammende Bodenwelle mit einer Höhe von etwa 35
m über Normalnull, die sich über 800 m in Nord-Süd-Richtung auf der Linie
der heutigen Rahmer Straße über die Graf-Engelbert-Straße bis zur Kellnerei
ausstreckt. Diese nicht mit
dem zuvor erwähnten Höhenrücken auf der älteren Niederterrasse des Rheins
zu verwechselnde Bodenwelle ist im nördlichen Teil ca. 400 m breit, nach Süden nur noch
etwa 200 m. Westlich wird die Bodenwelle von der Anger begrenzt, östlich
verläuft eine breite Abflussrinne, in die sich der Rahmer Bach eingegraben
hat. Beide Bäche waren ursprünglich miteinander verbunden und wurden erst
durch die neuzeitliche Aufschüttung des Mühlendamms südlich der Kellnerei getrennt.(6)
Die zungenförmige, halbinselartige Erhebung, die an drei
Seiten von Wasser umgeben war, wäre zwar wegen des
festen Baugrunds und des natürlichen Schutzes gegen feindliche Übergriffe für
eine Siedlung gut geeignet gewesen. Doch für die früher vermutetete Besiedlung in fränkischer Zeit (5. bis 9. Jahrhundert)
fehlen archäologische Funde oder sonstige Quellen.
Die erste schriftliche Überlieferung des Ortnamens finden wir erst
in staufischer Zeit: in
den Gütererwerbungen des Kölner Erzbischofs Philipp von Heinsberg
(1130-1191). Diese
sind in drei Fassungen überliefert, deren älteste heute
im Landesarchiv NRW, Abteilungen Westfalen, in Münster
bewahrt wird. Die münsterische Güterliste ist eine 20,5 cm
breite und 69 cm lange Pergamentrolle, in der unter lfd. Nr. 23 das
allodium de Angermonde -
Freigut zu Angermund genannt wird. In der Paderborner Abschrift der
Güterliste lautet die Bezeichnung unter Punkt 49 Castrum Angermunde et
curiam adiacentem - Burg Angermund und angrenzendes Rathaus. Der
Erzbischof hatte diesen Besitz für einen geringen Betrag von Kaiser
Barbarossa erworben.
1189 bestätigte Engelbert II. Graf von Berg,
dass er von Arnold von Tyvern dessen Erbgüter zum Pfand erhalten und den
Edelherrn auf Schloss Burg als Hausgenossen aufgenommen habe. Zu den
genannten Gütern gehörte
darüber hinaus jedes Anwesen, das sich in der
Nähe des Flusses befindet, der Anger genannt wird. Der entsprechende
Satz lautet im lateinischen Original: insuper omne predium, qoud est
propre fluvium quid vocatur Anger.(7) Engelbert II. war zugleich als Engelbert I. Erzbischof von Köln.
Unter seiner Herrschaft wurde die Burg bis 1222 zu einem mächtigen Bollwerk
ausgebaut. Leider wurdeLeider wurde die baugeschichtlich überregional bedeutende
mittelalterliche Burg kaum archäologisch erforscht. Beim Umbau in eine
attraktive Wohnanlage in den 1980er Jahren ging die archäologische Substanz
weitgehend verloren, da die Bauarbeiten kaum wissenschaftlich begleitet
wurden. Lediglich im Außenbereich des Grabens in der Nähe der Zugangsbrücke
fanden einige kleinere Grabungsschnitte statt, die u.a. Überreste von
Keramikgeschirr und Baumaterialien zu Tage förderten. Der spektakulärste
Fund war die Gravur eines Ritters zu Pferde auf einer Schieferplatte.(8)
Quellen:
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