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Teckenberg

Der Schierholzhof

Bei der Durchsicht der Datenbank der Mormonen stelle ich fest, dass Familien dieses Namens nicht nur im Raum Hattingen, Blankenstein, Sprockhövel vorkommen, sondern auch im Raum Linnep, Mintard, Mettmann. Verbindungen meiner märkischen Vorfahren dorthin sind ebenso wenig feststellbar wie zu den Teckenbergs in Skandinavien und den nach Amerika Ausgewanderten.

Mein Spitzenahn ist der am 24. April 1742 in Stiepel (Bochum) verstorbene Johann Henrich Teckenberg (AZ 1360). Stiepel liegt nördlich der Ruhr, hier führt seit alter Zeit ein wichtiger Bauernweg von den auf dem Südufer gelegenen Gemeinden Welper und Holthausen über den Fluß und weiter auf die Höhen von Linden und den kleinen Hellweg. Die Welperaner, teils sogar die Blankensteiner, gehen im 18. Jahrhundert noch häufig nach Stiepel zur Kirche, da die Hattinger Kirche viel weiter entfernt ist. Bei "Johann Henrich Teckenberg am Schierholz", Enkel des Spitzenahns, finden wir erstmals den Hinweis auf den Wohnplatz. Weitere Namensformen sind "Teckenberg genannt Schierhölter" oder auch nur "Schierhölter". Die Ergänzung bzw. Änderung des Namens verweist auf das bäuerliche Anwesen der Familie Teckenberg. Durch Drängen der Preussischen Regierung verschwinden die weit verbreiteten Hofesnamen gegen Ende des 19. Jahrhunderts. Die Familie nennt sich wieder nur noch Teckenberg. "Am Schierholz" oder "im Schierholz" ist ein vermutlich schon in vorgeschichtlicher Zeit besiedelter Wohnplatz. Er liegt in Welper auf einer bewaldeten Anhöhe, geschützt vor dem Hochwassser des Baches im Talgrund. Das nebenstehende Bild zeigt das aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts stammende "Unterste Schierhölter Gut", in ihm leben Teckenbergs über 200 Jahre bis zur Zerstörung im Bombenhagel des 14. Mai 1943.

Den "Oberschierhölters Kotten", von dem es leider kein Bild gibt,  baut Heinrich Rudolph Teckenberg (NL) nach 1820. Er heiratet zwischen 1791 und 1794 Maria Catharina Tiggemann (AZ 171), deren erster Mann Johann Henrich Teckenberg (AZ 170) am 01.02.1791 verstirbt. Heinrich Rudolph ist der jüngere Bruder des  Johann Henrich.  In  mehreren "Erb- und Übertragungsauseinandersetzungen" über das Schierhölter Gut unterscheidet Heinrich Rudolph nie zwischen seinen leiblichen Kindern und den Kindern seines verstorbenen Bruders Johann Henrich mit Maria Catharina Tiggemann.

Mit dem "Übertrags und Auseinandersetzungsvertrag" vom 23.04.1820 erhält das "Unterste Schierhölter Gut" der älteste Sohn bzw. Stiefsohn Johann Heinrich, der tags zuvor Friederike Lisetta Lindemann heiratete.

Am 14.06 1820 pachtet Heinrich Rudolf Teckenberg von seinem Nachbarn Schulte Überhorst gegen eine Erbpacht von 16 Rthl Berliner Courant, Übernahme des Zehnten und der Grundsteuer das Grundstück an der Straße von Blankenstein nach Hattingen, genannt "die Delle". Vorangegangen war die Anfrage des Rentmeister Giesler vom 22.11.1819 bei der Königlichen Regierung , ob dem Schulte Ueberhorst erlaubt werden könne, ein Stück Land in Erbverpachtung an Heinrich Rudolf Teckenberg zu geben, verbunden mit der Erlaubnis, auf diesem Grundstück ein Haus zu bauen. Aus einem dieser Anfrage beigefügten Protokoll vom 30.10.1819 geht hervor, daß der in Schulte Ueberhorsts Nachbarschaft lebende Teckenberg, seit 1794 (= Heirat mit Maria Catharina Tiggemann?) Erbpächter des Mulderpaßhofes, gewillt ist, seine diesbezüglichen Rechte auf seinen Sohn zu übertragen und für sich selbst und seine Familie ein eigenes Haus zu bauen.

Heinrich Rudolf Teckenberg teilt den „Oberschierhölters Kotten in Welper“am 01. März 1826 zwischen sich, seinen Kindern und Schwiegerkindern auf. Von dem Wert des Besitzes sollen 50% auf ihn, die übrigen 50% zu gleichen Teilen auf seine Kinder entfallen. Der Sohn Heinrich Jürgen übernimmt den Kotten und die Verpflichtung, Vater und Geschwister auszuzahlen. Der Vater Heinrich Rudolph heiratet am 28.9.1827 in Sprockhövel Helene Eggermann und lebt seit dem  wohl auch dort (lt. Klageschrift von 1849). Er zieht sich nach der Überlassung des Kottens an Heinrich Jürgen von seinem Hof und aus Welper ganz zurück.

Da die Erbteilung offensichtlich bis 1849 nicht vollständig abgewickelt ist, verklagt Heinrich Jürgen seinen Vater und die Geschwister auf die ordnungsgemäße Erfüllung des Vertrages von 1826. Ausgenommen von dieser Klage ist lediglich der Halbbruder Johann Henrich, da dieser im Übertragungskontrakt von 1820 auf alle weiteren Erbrechte verzichtet hat.

In der Ablösungsverhandlung vom 05.01.1866 zwischen Heinrich Jürgen Teckenberg, gnt. Schierhölter und Georg Heinrich Carl Schulte Ueberhorst wird das Ablösekapital für den Oberschierhölters Kotten auf 320 Rthl festgesetzt. Durch Erbe geht der Kotten auf den Sohn Heinrich Wilhelm Teckenberg (geb. 1838) über. Dessen Tochter Alma heiratet 1899 den Schlosser Heinrich Brandt, der wohl wegen Fehlen eines männlichen Erben den Kotten übernimmt. Seine Familie ist fortan als "Brandt genannt Oberschürholz" bekannt.

Dort bauen Friedrich Wilhelm Heinrich und Heinrich Wilhelm Teckenberg (Vater und Sohn) nach der Zerstörung des Untersten Schierhölters Guts 1943 noch während des Krieges einen neuen Hof. Heinrich Wilhelm Teckenbergs Frau Elli geb. Bunse gibt in ihren Erinnerungen an, dass "alles Land rundum seit jeher zum Schierholt gehört". Demnach müsse der Oberschierhölters Kotten und das dazugehörige Land zwischen 1866 und und 1945 in den Besitz der Teckenbergs vom Unteren Schierhölter Gut gelangt sein. (Dies ist in den Grundbuch- und Katasterakten noch näher zu prüfen.) Auch der neue Hof wird 1945 durch Bombenangriffe zerstört. Nach dem Kriege übernimmt die Henrichshütte das ganze Land. Als Ersatz bekommen die Teckenbergs den uralten Hof Schulte-Umberg  hinter der Kosterbrücke in der Nähe der Hofstiepeler Mühle. Auf dem Grundstück des alten Schierhölter Guts befindet sich heute das Katholische Altersheim an der Brandt-Straße.


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