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fast 350 Jahre in Mülheim

Warum und wann die ersten von Delfts nach Mülheim an der Ruhr gelangen, wissen wir nicht. Kommen sie als Glaubensflüchtlinge, Schiffer, Söldner, vielleicht sogar als Angehörige der edlen und Wappen-führenden Familie van Delft aus dem damals niederländischen Antwerpen? Schließlich deutet der Name auf eine Zuwanderung hin! Den ältesten Nachweis des Namens von Delft in Mülheim finden wir in den Kirchenbüchern der reformierten Gemeinde. (1) In deren Proklamationsbuch sind unter dem 09.11.1667 "Jan von Delefft und Steintgen auff der Steinkulen" verzeichnet. Dieses 1610 begonnene Register verzeichnet zwischen 1667 und 1708 insgesamt zwölf Eheverkündigungen für sechs männliche und zwei weibliche von Delfts. Tabelle

Zu dieser Zeit heiratet man nicht aus Liebe oder Neigung, sondern aus Kalkül. Man vermählt sich mit einem Sohn oder einer Tochter aus einer wohlhabenden Familie, nur wenn man selbst einer wirtschaftlich und gesellschaftlich etablierten Familie entstammt. Auch wennn die von Delfts nicht zu den Erbpächtern, Pächtern und Aufsitzern der Mülheimer Höfe und Kotten gehören, müssen sie selbst arriviert sein. Sie heiraten in Familien wie Scheidt, Neuenhausen, Halfmann zu Fulerum und Bütefür ein, denen bedeutende Höfe in Fulerum gehören. Jan und Caspar nehmen sogar den Namen der Höfe an, von denen ihre Frauen stammen.

 "Jan von Delfken" heiratet vermutlich bereits in zweiter Ehe am 08.12.1668 "Gertgen vffm Scheidt". Sie stammt vom Scheidt-Hof, zu dem der am Mühlbach im Ortsteil Fulerum gelegene Hammersbeck-Kotten gehört, auf dem das Paar nach seiner Heirat lebt. Aus der Ehe mit Gertgen geht eine Tochter hervor: "Gerdruth in der Hammersbeck", deren Taufe auch nicht überliefert ist, die aber 1703 reformiert Hermann Oberscheidt heiratet, der ebenfalls der Bauernfamilie Scheidt angehört. Gertgen wird als "Jan in der Hamerßbeck sen Fraw [am] 09.04.1679" begraben. Jans dritte Ehe mit Adell verzeichnet das ref. Aufgebot am 27.02.1680 als "Jan von Dellfft und Adell im Ardellkamp". Das ref. Taufbuch nennt für ihre vier Kinder jedoch als Eltern "Jan und Adell auß der Hammersbeck". Jan stirbt 1717, Jan Hinderich, ältester Sohn aus der Ehe mit Adell, zwischen 1717 und 1720. Mangels Erben wird der Kotten offensichtlich 1720 an das junge Ehepaar Henrich im Pattberg und Gerdraut Smitz verpachtet, die fortan den Hofnamen führen, aus dem sich sukzessive der Familienname "Hammelsbeck" entwickelt. Henrich und Gerdraut und ihre bis heute bekannten über 430 Nachfahren sind dem Blute nach keine von Delfts mehr. Sie werden deshalb hier nicht mehr mit den von Delfts, sondern separat dargestellt. Datenbank Hammelsbeck

Caspar von Delft heiratet am 22.03.1679 "Hiltgen zu Neienhusen". Seit 1680 verzeichnen ihn die reformierten Kirchenbücher stets als Caspar Neuenhausen (z.B. bei den Taufen seiner Kinder, bei seiner zweiten Heirat mit Entgen uffm Brincken, bei deren Begräbnis am 02.03.1712) Auch die Kinder von "Gertgen von Delft", die am 09.02.1679 Theis Bütefür heiratet, werden reformiert getauft. Die erste reformierte Taufe eines Kindes namens von Delft datiert erst 1764. Das deutet auf eine Zugehörigkeit der Familie zur Lutherischen Gemeinde.

Dimission Henrich von Delfft  u. Margaretha Janssen

Der früheste Beleg dafür ist der Dimissionsvermerk vom 02.05.1708 im reformierten Aufgebotsregister: „Henrich von Delfft und Margaretha Janßen dimissi ad D(ominum) Lehnman 02.05.1708". Die Braut ist reformiert getauft. Lehnman ist der lutherische Pfarrer in Mülheim von 1701 bis 1718. Für diese Dimission kann es nur einen Grund geben: der Bräutigam Henrich von Delfft ist Lutheraner.

Die lutherische Gemeinde besteht in Mülheim schon seit der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts, doch ihre Kirchenbücher sind erst seit 1718 (Taufen) bzw. 1730 (Heiraten) überliefert. So datiert die älteste lutherische Taufe eines von Delft vom 21.05.1724: "Hermannus, Sohn von Joergen von Delfft und Anna Sophia". Im lutherischen Trauregister taucht der Name von Delft erstmals am 15.11.1732 auf: "Gotzen von Delfft heiratet Anna Margaretha Eckhoel".

Die häufigen Ehen zwischen Lutheranern und Reformierten mögen erstaunen. Dazu schreibt Dr. Sándor Rolf Krause: "Allgemein sind die Angehörigen der verschiedenen Konfessionen in Mülheim [...] so eng miteinander verwoben, dass erst nach der Bearbeitung und Verknüpfung aller Kirchenbücher – auch der katholischen – ein Überblick über die Gesamtbevölkerung des Kirchspiels möglich wird. Dies wird unter anderem durch die Tatsache, dass von den insgesamt 738 Brautpaaren, die die lutherischen Traubücher [zwischen 1730 und 1806] aufführen, nicht weniger als 424 (57,5 %) auch in den reformierten Aufgebotsregistern erscheinen, eindrucksvoll bestätigt. Wären in den lutherischen Kirchenbüchern durchgängig auch die Aufgebote verzeichnet, stiege dieser Prozentsatz noch einmal erheblich." (2)

Quellen:
(1) Die Kirchenbücher der Reformierten Gemeinde Mülheim/Ruhr (1610 - 1806) - Dr. Sándor Rolf Krause - Selbstverlag Medebach 2010
(2) Die Kirchenbücher der Lutherischen Gemeinde Mülheim/Ruhr (1718 – 1806) - Dr. Sándor Rolf Krause - Selbstverlag Medebach 2010

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