825 Jahre Angermund   Stadt und Freyheit   Graf Engelbert   Kellnerei   Schloss Heltorf   Das Wildgestüt

Stadt und Freyheit Angermund

Stadt und Freyheit Angermund

Vermutlich legen die Franken ab Mitte des 1. Jahrtausend n. Chr. zwischen Anger und Dickelsbach einen Hof an, der schließlich zur Motte (von franz. la motte = der Klumpen) ausgebaut wird. Dies ist ein in Holzbauweise errichteter Burgtyp, dessen Hauptmerkmal ein künstlich angelegter Erdhügel mit einem meist turmförmigen Gebäude ist. Darauf könnte auch das Grundwort im Ortsnamen hindeuten: "munt"  althochdeutsch für Schirm, Schutz, Gewalt. (Grimm, Deutsches Wörterbuch, 6. Bd. Sp. 2683) Also Schutz an der Anger durch einen befestigten Siedlungsplatz.  Dieser wird erstmalig urkundlich erwähnt, als Graf Engelbert I. (1166-1189) mit anderen Ländereien "... ferner das ganze Gut in der Nähe des Angerflusses " von Arnold von Tyvern zum Pfand für ein Darlehen über 100 Mark erhält. Die älteste schriftliche Überlieferung des Ortnamen finden wir in den Güterverzeichnissen des Kölner Erzbischofs Philipp von Heinsberg. Er erwirbt 1188 für einen geringen Betrag die Burg Angermund von Kaiser Barbarossa. Die Güterverzeichnisse sind in drei Fassungen überliefert, deren älteste heute im Staatsrachiv Münster bewahrt wird. Dabei handelt es sich um eine 20,5 cm breite und 69 cm lange Pergamentrolle, in der unter  lfd. Nr. 23 das  allodium de angermonde" 'Freigut zu Angermund' verzeichnet ist. Im Streben um die territoriale Macht drängen nicht die Staufer-Kaiser die Kölnischen Erzbischöfe  zurück, sondern die Grafen von Berg, deren über sechs Jahrhunderte dauernde Herrschaft mit Engelbert I. beginnt. Nur er in seiner hohen Stellung kann es wagen, so nahe zu den kaiserlichen Pfalzen in Kaiserswerth und Duisburg eine mächtige Burg zu errichten, die 1222 fertig gestellt wird. Nach der Schlacht von Worringen wird Düsseldorf 1288 zur Stadt erhoben und Verwaltungssitz für die Grafschaft Berg. Damit verliert Angermund zwar an politischer Bedeutung, bleibt aber Sitz eines der 8 bergischen Hauptämter.

Der Kellner (Amtmann) treibt von seinem Dienstsitz in der Burg aus Steuern und Naturalabgaben ein. Er hat mindestens bis 1370 den Vorsitz in der Düsseldorfer Gerichtsbarkeit. 1423 wird die "Freyheit Angermund" erstmals urkundlich erwähnt. Einige Quellen meinen, die Hörigen, Pächter, Handwerker, die sich schon früh nördlich der Burg ansiedeln, seien von Abgaben an den Landesherren befreit. Doch Freyheit bedeutet Ort mit eingeschränkten Stadtrecht. Diese Minderstädte, die im 13. und 14. Jahrhundert vielfach unmittelbar neben einer Burg entstehen, bieten Schutz und garantieren den störungsfreien Handel. Zugleich können so auch die Burgbewohner leichter versorgt werden. Die Freyheit hat das Recht auf Selbstverwaltung und Wahl von Magistrat und Bürgermeister.

Erst 1660 erhält Angermund eine eigene Kirche; die Trennung von der Kalkumer Mutterkirche erfolgt 1703. Politisch ist Angermund bis zum Jahre 1806 Sitz eines bergischen Amtes mit sechs Gerichtsbezirken. Im Landgerichtsbezirk Angermund,bestehend aus der Freyheit Angermund, den adligen Häusern Angermund, Heltorf und Haus Pillikrath (heute Bilkrath) sowie dem Dorf Rahm, leben 1792 insgesamt 969 Einwohner.

1807 wird die französische Verfassung eingeführt. Von 1823 bis 1856 gehört Angermund im preußischen Provinziallandtag dem Stand der Städte an. Mit den Nachbarorten Huckingen, Lintorf und Mündelheim bildet es von 1857 bis 1929 das Amt Angermund. 1894 hat Angermund 430 Einwohner, 5 Wohnplätze mit 227 Gebäuden. Nach der kommunalen Neugliederung wird das Amt Angermund 1930 aufgelöst. Angermund wird zusammen mit den Landgemeinden Wittlaer, Lintorf, Breitscheid, Eggerscheid und Hösel zum Amt Ratingen-Land vereinigt, das später den Namen Amt Angerland erhält. Seitdem ist der Name Angermund auf den eigentlichen Ort beschränkt. Im Jahre 1939 ist die Bevölkerung der Stadt Angermund auf 1428 Einwohner angewachsen.  1941/42 wird Angermund mehrmals von alllierten Bombern angegriffen. Die Schäden bleiben glücklicherweise gering. Der 2. Weltkrieg geht in Angermund mit der Besatzung durch englische Soldaten zu Ende. Nach dem Kriege entwickelt sich Angermund zum beliebten Wohnort zwischen den Größstädten Düsseldorf und Duisburg. Mit der Gebietsreform 1975 wird Angermund nach Düsseldorf eingemeindet. 1988 feiert Angermund den 800. Jahrestag der ersten urkundlichen Erwähnung mit einem großen Stadtfest.